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Hart aber Herzlich, ein Gespräch mit Tobi

Vor knapp einem Jahr lief mir Tobias Kleine (38) in der Facebook Welt mit seinem Blog Hart aber Herzlich – das „Kleine“ Wunder über den Weg, den er im Frühjahr 2018 gestartet hat, um andere zu motivieren, gesundheitlich einen guten Weg zu finden.

Durch seine eigenen Erfahrungen innerhalb der Familie, Traumas und psychischer Belastungen, rutschte er sehr früh in ein Drogendilemma aus dem man nicht mehr so leicht raus kommt, wenn man erst in diesem Umfeld drin steckt.

Einige von euch kennen das vielleicht auch, dass diese Drogen zwar zunächst Glücksgefühle hervorrufen und dafür sorgen, dass man vieles verdrängt, was dann immer wieder für dieses Verlangen sorgt. Dabei aber auch mental in eine Abwärtsspirale gerät. Gerade in jungen Jahren gesteht man sich seine Selbstzweifel nicht ein und steckt schnell in einem Teufelskreis.

Wenn man Tobias' Vergangenheit auf seiner Facebook-Seite liest, erkennt man schnell, dass ihn der Teufelskreis richtig im Griff hatte und sich selbst „innerlich gefühlstot“ beschrieb, aber trotzdem spürte, dass er diese Lüge so nicht mehr leben wollte.

Mit seinem Blog will er nicht nur zeigen, dass man es schaffen kann, sondern auch aufzeigen, dass man durch eine Ernährungsumstellung auch psychische Probleme besser los lassen kann.

 

Gerade weil ich persönlich auch der Meinung bin, dass man sich durch Rohkost, Fasten oder veganer Ernährung gesundheitlich von innen, sowie auch mental reinigen kann, hab ich mich rießig auf das Treffen gefreut und ein total angenehmes Gespräch mit diesem sympathischen Menschen geführt.

Genauso sympathisch ist das kleine Reich unterm Dach, das gemütlich eingerichtet ist und trotzdem ausreichend Platz für all die alternativen Produkte und für Experimente ist.

Heute spricht er offen über seine Geschichte und seiner persönlichen Entwicklung und freu mich mit euch das teilen zu können. Auch ich bin dadurch motivierter, mich von vegetarisch auf vegan umzustellen.

Hast du manchmal noch das Bedürfnis nach typischen Klassikern wie einem Burger oder einer Pizza?

Das kommt alle paar Wochen mal vor und schleicht sich manchmal noch ein, aber das wurde im Laufe der Zeit immer seltener. Aber ich weiß, dass mich dann nur mein Verstand austricksen will. Durch das Reinigen des Körpers über die Ernährung und gewisse Pflanzenstoffe, wurde mein Körper sensibilisiert, so dass sich dann mein zweites Gehirn eingeschaltet -und das ist der Darm. Vor kurzem z.B. hat mein Kopf wieder das alte Programm raus geholt und es schoss mir ganz plötzlich das Bild von einem Cheeseburger vor Augen. Ich hatte das genaue Bild vor mir und den Geschmack im Mund, als ob ich gerade schon dabei bin ihn zu essen. Wenn ich meinem Verstand gefolgt wäre, wäre ich hin gefahren und hätte mir den geholt und gegessen. Aber dann hatte sich das Körperbewusstsein vom Darm eingeschaltet und gesagt: „Nein, mach's nicht. Ich will das nicht haben“.

Ich würde nie eine Ausnahme ausschließen, aber im Moment würde ich das auf keinen Fall machen. 

Was hälst du von der Aussage „Wenn dein Körper in dem Moment das Verlangen hat, braucht er das“?

Das ist immer ganz individuell. Welches Körperleiden hattest du und wie sehr hat dich das geprägt und eingeschränkt? Ich glaube das ist wie eine Skala wo wir alle auf einem anderen Punkt stehen. Wenn 0 gut wäre und bei 10 richtig schwere Körpersymptome, dann würde ich mich schon weit oben kategorisieren. Denn ich hatte durch mein Lebensstil eine Darmentzündung gehabt und hatte nur Blut am Klopapier. Bei einer Magen- Darmspiegelung wurden auch Polypen entdeckt und wenn so etwas nicht rechtzeitig entdeckt wird, kann dadurch auch Krebs entstehen. Außerdem hatte ich immer wieder mit Verstopfung und Hämorrhoiden Probleme, bis mir das ganze auch auf die Psyche geschlagen ist. Der Drogenkonsum hat das ganze noch verschlimmert und war seelisch so in Mitleidenschaft gezogen. Die Befreiung da raus war dann nicht die Neurologie oder in eine Klinik zu gehen um dann Tabletten zu nehmen, weil ich dann statt die Drogen von der Straße, die Drogen von der Pharma genommen hätte. Damit ist das Problem auch nicht gelöst. Das hat für mich kein Sinn gemacht, weil ich schon innerhalb der Familie gesehen habe, wie das dann läuft.

Deswegen ist meine Bewusstheit angesprungen und hab nach anderen Wegen gesucht. 

"Und dann bleibt nur noch der eine Weg, der Weg zurück zur Natur zum natürlichen Wesen des Menschen. "

Wie verliefen diese Schritte auf diesem Weg?

Ich hab mir viele YouTuber angeschaut, die über das Thema Ernährung berichteten. 


Das erste was mir klar wurde, ist wie ungesund Getreide ist, da es eines der meist gespritzten  Lebensmittel ist und so auf das Thema Pestizide kam.

Das nächste was mir begegnete, war das Thema Milch und Gesundheit. Vor allem die ultrahocherhitzte pasteurisierte Milch ist so denaturiert das sie nicht mehr gesund ist. Was noch dazu kommt, ist das Leid der Tiere. Dazu sollte man sich mal fragen, wann eine Kuh Milch gibt und was getan wird, um das zu gewährleisten.

Dann wurde mir bewusst, wie ungesund raffinierter Zucker und Salz ist, was nicht bedeutet das es keine guten Salze gibt. Aber auf keinen Fall das Raffinierte.


Und so ging das Stück für Stück weiter und ganz zum Schluss hab ich mich mit dem Thema Fleisch und seinen Verdauungszeiten auseinandergesetzt und mich informiert.

Nebenbei: Fleisch essen sollte man wenn, dann lieber erst Abends.

Hat man Mittags doch Fleisch gegessen, sollte man später kein Smoothie mehr machen, denn das Obst flutscht ziemlich schnell durch. Liegt da aber noch ein Brocken Fleisch rum, bleibt das Obst hängen und es passieren unschöne Gärungsprozesse.Wenn du schon einen schlechten körperlichen Status hast und nie auf deine Ernährung geachtet hast, dann verschlimmert sich das ganze natürlich noch mehr.

Ich hab das Fleisch dann auch weg gelassen, weil ich Verdauungsprobleme hatte.

Jeder soll einfach auf sein Körper hören. Wenn er merkt, da kommt was aus dem Gleichgewicht, dann ist es schön, das Bewusstsein zu haben, wie die Natur mir helfen kann, da wieder raus zu kommen, ohne irgendwelche synthetischen Sachen zu benutzen. Das wäre nur wieder Unterdrückung der Symptome, was aber nicht die Ursache ins Lot bringt. Wenn man sich mit den Themen auskennt und du das Bewusstsein hast, dass bestimmte Pflanzen dir helfen können, ist das ein Anfang.

"Man sollte immer in sich hinein fühlen und überprüfen ob alles okay ist oder ob man etwas ändern will."

Hätte ich damals schon dieses Bewusstsein und das Mindset gehabt und mich mit guten Nährstoffen versorgt, wäre wahrscheinlich alles gar nicht so schlimm gewesen und mir zwischendurch auch mal mehr erlauben können.

Hast du mal eine Therapie gemacht?

Ich war mit 23 stationär in einer Einrichtung in der junge Erwachsene mit Suchtproblemen untergekommen sind. Jeder hatte ein Zimmer, es gab eine Gemeischaftsküche, ein Wohnzimmer, wie in einem normalen Haus in einer WG in dem auch Ärzte und Psychologen kamen. Dort wurde uns beigebracht, wieder im Alltag klar zu kommen ohne ständig der Sucht nach zu jagen. In diesem Alter war ich schon so bewusst, dass ich wusste, ich will etwas verändern. Hab es aber nicht geschafft, weil ich noch nicht stark genug war, es dauerhaft durch zu ziehen. Zu dieser Zeit hab ich aber schon viel geschafft und war nur ein paar Wochen dort, weil mich die anderen Menschen dort, etwas überfordert hatten. Viele nahmen das auf die leichte Schulter, als wären sie dort um bestimmte Auflagen zu erfüllen. Das hat mich traurig gemacht, weil das Projekt eigentlich ganz gut war und ich finde dass es davon mehr geben sollte.

Leider blieb es nicht bestehen und nach einem halben Jahr bin ich wieder abgerutscht. 

Wenn das schon in der Jugend anfängt, fühlt man sich vom Körper getrennt. Der Körper ist zwar da, aber ich hatte kein Bewusstsein für ihn. 

Du hast eine Tochter. Hat sich da etwas bei dir verändert?

"Ja, da hat sich sehr viel verändert!"

 

Ich war 27 als sie kam. Durch sie habe ich die Kraft bekommen den Weg zu verfolgen den ich mir vorgenommen hatte, was mit 23 nicht geklappt hat. Mir schoss immer durch den Kopf: „Schau mal wie du aussiehst... du siehst ja richtig kaputt aus... so kannst du doch nicht deiner Tochter gegenüber treten... du musst vielleicht mal in die Schule... du bist doch ein Vorbild...“

Ich wollte nicht, dass meine Tochter unter meinem Leid auch leiden musste. Das hat mir nochmal ein richtigen Schub gegeben, dass ich mich auch besser in den Griff bekam. Da hatte das angefangen, dass ich bis auf Alkohol, aufgehört habe, alles andere zu konsumieren. Ich hab mich zwar dann noch unbewusst ernährt, aber es hat immerhin 5 Jahre gehalten, dass ich außer Alkohol keine Drogen angefasst habe. Mit 32 hatte ich nochmal ein Rückfall als ich wieder in Frankfurt unterwegs war.

Jedes Mal wenn ich Menschen auf der Straße gesehen hab die ich kenne, ließ ich mich wieder in diesen Kreis ziehen und konnte mich nicht dagegen wehren. Zuerst sagt man zwar mal ein unsicheres „nein“, geht dann aber doch mit weil auf dich eingeredet wird. Das ist ein paar mal passiert bis ich mit 34 weg gezogen bin, weil ich noch nicht stark genug war.

Und die letzten 4 Jahre ergab sich nun das Bild was ich jetzt geworden bin.

 

Wie lange trinkst du nun kein Alkohol mehr?

Eineinhalb Jahre, alles andere etwa 4 Jahre.

"Ich trinke hauptsächlich das Wasser aus meiner Osmosefilteranlage die unter dem Spülbecken verbaut ist."

Dadurch wird das Leitungswasser von sämtlichen Schadstoffen gefiltert und hatt einen viel besseren Geschmack.

 

Kohlensäurehaltiges Wasser sollte man generell vermeiden. 

Du bist ja noch, bzw wieder in der Technoszene unterwegs. Wie gehst du damit heute um?

Ich konnte erstmal lange Zeit gar nicht mehr auf Partys gehen. Aber ich mag das Leben ja auch und unsere Realität ist eben das was hier unten statt findet und es gibt viele Sachen die Spaß machen. Das nutze ich dann auch, aber mit einem ganz anderen Bewusstsein und einer anderen Stärke. Ich kann „nein“ sagen und gehe alle paar Monate mal weg. Dann trinke ich vorher Rohkakao weil das ein bisschen Energie gibt und nehme meine eineinhalb Liter Flasche Wasser mit oder mach eine Ausnahme und trinke dort das Wasser obwohl ich weiß, dass das nicht das Beste ist.

Wie ist deine spirituelle Entwicklung gewesen? Gibt es Rituale?

Das kam letztes Jahr als ich mein 3-Schicht Job aufgegeben hab und mich von allem abgewandt hab, was mir nicht gut tut. Da hatte ich die Zeit mich intensiv damit auseinandersetzen, habe Bücher gelesen und mich mit Menschen getroffen, die bereits viel damit zu tun haben, spirituell leben, meditieren, Yoga machen, sich mit Schamanismus auseinander setzen... da hat sich das dann auch mehr bei mir integriert. Das ist nicht wie bei einem Hausfrauenyoga, sondern man ist mit ganzem Herzen dabei. Es ist alles tief in mir drin und man beschäftigt sich viel tiefer mit sich selbst und entdeckt sich selbst mehr und mehr. Unbewusst komme ich immer wieder in eine Meditation aus dem Alltag heraus. Deshalb wirke ich manchmal so abwesend, aber ich bin voll da und nehme alles wahr. 

Vielen lieben Dank für die Herzlichkeit, die Offenheit und die Gastfreundschaft.

Eine Zeitlang durfte ich erfahren was ein Rohveganer den Tag über isst und mich vom Wasser überzeugen, das auch ich weiter empfehlen kann!  :)

 

...und wer noch mehr wissen will, oder nach Rezepten sucht, findet Tobi bei Facebook oder Instagram  

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Kommentare: 4
  • #1

    frank (Montag, 25 Februar 2019 22:02)

    oh wie schön

  • #2

    Julia (Sonntag, 10 März 2019 22:03)

    Klasse geschrieben, gut gemacht. Weiter so

  • #3

    Bastienne (Montag, 18 März 2019 21:33)

    Ich bin sooooo beeindruckt. Wieder Einer dieser starken Menschen. Was für ein Glück für die Menschheit, daß es solche Menschen gibt �

  • #4

    Björn (Montag, 29 Juli 2019 22:02)

    Ich durfte Tobias beim Pax Terra kennen lernen und durfte mir von ihm (dir) viel Inspiration, Ernährungsanregungen und die Teilnahme an einem schönen kleinen Ritual mit Friedensfreunden (!) geben lassen - Schöner Mensch, wie du die Kurve aus dem Drogensumpf hin zu bewusstem Leben bekommen hast! Vorbildcharakter